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Bedeutung und Geschichte

Ikebana von
Senjo Ikenobo
1769-1832
Headmaster in der
40. Generation der
Ikenobo Schule

Aus dem Soka Hyakki
publiziert: 1820


Die Bedeutung des Blumenweges (kadô)
Die japanischen Zeichen für Ikebana bedeuten sinngemäß etwa: "Blumen zu ihrer eigentlichen, schönsten Gestalt erwecken".

Eine wesentliche Voraussetzung, Pflanzen bzw. Blumen zu ihrer eigentlichen, schönsten Gestalt zu erwecken ist, sich mit Aufmerksamkeit und Einfühlungsvermögen auf ihre jeweilige Wuchsform, die Eigenart ihrer Blätter, die Farbe ihrer Blüten etc. einzulassen. Die Kreativität und Kunstfertigkeit dessen, der ihr dann in einer Ikebana-Skulptur einen neuen Platz gibt, besteht darin, ihre jeweilige 'Individualität' in einem solchen Arrangement besonders herauszustellen. Je nach Absicht des Arrangierenden entstehen dabei Ikebana-Skulpturen, die streng der Tradition verbunden sind oder solche, die mehr dem zeitgenössischen Lebensgefühl entsprechen. Hierin liegt kein Widerspruch, da die Kunst des Ikebana von jeher eine im höchsten Grade offene, nicht abgeschlossene Kunstform darstellt, die von der Spannung zwischen Natur und Kunst lebt und stets auch das Empfinden der jeweiligen Zeit widerspiegelt. Dabei ist - neben der räumlichen Dimension - die zeitliche von großer Bedeutung, denn eine Ikebana-Skulptur ist ein vergängliches Kunstwerk, dessen Vollendung nur kurze Zeit währt; dann beginnt bereits - der Natur folgend - der leise Verfall.

Der Begriff der 'Vergänglichkeit allen Seins' spielt eine prägende Rolle in der Kultur und Kunst Japans. Es ist vor allem der Zen-Buddhismus, der den Menschen lehrt, den Sinn des Lebens ganz im Hier und Jetzt, im zeitlosen Augenblick zu erleben und sich im Urgrund seines Seins als Teil des Kosmos zu erfahren, im Kommen und Gehen der Jahreszeiten. Alle Wesen - Pflanze, Tier, Stein und Mensch - sind einbezogen in den Kreislauf des Werdens, Reifens und Vergehens. Diese Sicht allen Seins spiegelt sich in fast allen Künsten Japans. Sie gibt ihnen ihren eigentlichen Sinn und hebt sie über die Sphäre rein ästhetischer Betrachtung heraus.

Spricht man in Japan vom 'geistigen Gehalt' einer Kunstform, so spricht man gleichzeitig auch vom 'Weg', japanisch: dô, den ein Mensch gehen muß, der sie erlernen will. Die japanische Kultur kennt viele solcher 'Wege': In der Malerei, der Teezeremonie, der Haikudichtung, der Blumenkunst, im Bogenschießen, der Fechtkunst und andere mehr. Der Weg als solcher durchläuft Generation auf Generation, birgt Erfahrungen vieler und nimmt Erfahrungen weiterer auf. Entschließt man sich, diesen Weg zu beschreiten, bedeutet dies, daß die Kunst dem Praktizierenden mehr sein muß als nur das Erlernen einer Kunstfertigkeit im Umgang mit Pflanzen und unter der Führung eines Meisters. Der Weg soll den Menschen auch nach innen, in die Tiefe seines Menschseins führen, ihm helfen, etwas von der letzten Wahrheit allen Seins, den Grundgesetzen der Welt zu erfassen. Und er soll sich darin als Teil eines Ganzes erleben und vollenden.

Ikenobo und der Blumenweg
Die Anfänge des Blumenweges in Japan liegen weit zurück. So groß die Zahl der Schulen heute auch ist, der Überlieferung nach beziehen sie sich alle auf Ono no Imoko, der im 7. Jahrhundert von der Kaiserin Suiko nach China gesandt wurde und dort lernte, Blumen als Opfergabe vor dem Altar Buddhas aufzustellen.

Diese Kunst fand auch in Japan Eingang, als der Kronprinz Shotoku (574-622 n. Chr.) eines Tages eine vom Meer angespülte Statue des Bodhisattwa Avalokitesvara fand. Er machte sie zu seiner Schutzgottheit und errichtete ihr einen Tempel. Imoko stellte hier alltäglich, so wie er es in China gelernt hatte, vor dem Bildnis der Gottheit Blumen auf. Neben dem Tempel befand sich ein Weiher. An seinem Ufer errichtete er seine Klause und vertiefte sich mehr und mehr in die Kunst des Blumenstellens. Seine Lehre erhielt schließlich den Namen Ikenobo, was so viel bedeutet wie: 'Klause am Weiher'.

Mitte des 15. Jahrhunderts wird die Ikenobo-Schule erstmals urkundlich erwähnt und man verlieh ihr den kaiserlichen Titel 'Stammhaus der Blumenlehre'. Mit Hauptsitz in Kyoto ist sie nicht nur die älteste, sondern auch größte Ikebana-Schule Japans. Sie wird von Ikenobo Senei, dem 45. Nachfolger, und seiner Tochter, Yuki, geleitet. Gelehrt werden sowohl klassisch-traditionelle als auch freie Ikebana-Formen.


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